Schon mal den Mann im Mond gesehen?

Tipps zur Erweiterung der Digitalfotografie auf erdnahe Objekte.
Astrofotografie „light“

Ein toller Vollmond über dem Horizont, z. B. an der See − traumhafte Spiegelungen auf dem Wasser und eine einzigartige Stimmung. Sofort kommt die Idee, dass dieses ein tolles Motiv ist und in einem Bild festgehalten werden muss. Also die Digicam schussbereit gemacht und dann eine Aufnahmeserie geschossen. Beim Betrachten dann ein bisschen Enttäuschung! Die Stimmung ist bei einigen Einstellungen gut getroffen, aber der Mond nichts weiter als ein etwas größerer heller Fleck am Himmel.
Ein Phänomen, welches wahrscheinlich schon viele kennen und das an unserem Wahrnehmungsvermögen liegt. Wir vergrößern den Mond mental, obwohl er objektiv aber nur die von der Kamera wiedergegebene Größe im aufgenommenen Bild hat.
Für mich war klar: Der Mond musste gleich im Anschluss an die „Stimmungsbilder“ noch einmal mit unterschiedlicher Vergrößerung (optischer Zoom) abgelichtet werden.
Aufnahmen mit Blende 3,6 – 2,0 sec –6,3mm = 38mm

Jede Kamera hat ein Fotobearbeitungsprogramm im Bundle mitgeliefert bekommen, da ist es dann ein Leichtes, den Mond in der gewünschten Größe ins Bild zu transplantieren.

Ich bin glücklicher Besitzer einer Kamera mit 10–fachem optischen Zoom und habe natürlich auch die Möglichkeiten des Objektivs genutzt und entsprechend hohe Vergrößerungen gewählt.
Aufnahme mit Blende 3,7 – 1/180 sec – 63,0mm = 380mm

Überrascht wurde ich dann durch den Detailreichtum der Mond− scheibe, die nicht nur als heller, großer Lichtfleck festgehalten war, sondern auch die Mare deutlich abbildete, wodurch die Mondscheibe dem uns gewohntem Anblick sehr nahe kam.
Das reizte natürlich zu weiteren Versuchen bei unterschiedlichen Mondphasen. Und wieder begeisterte mich die dieses Mal schon fast an "astrofotografische“ Aufnahmen heranreichende Gebirgsdarstellung im Verlauf des „Terminators“ (Hell−/Dunkelgrenze).

Bei maximal sinnvoller Vergrößerung des Bildes in der Nachbearbeitung konnte ich schon deutlich die Gebirgsketten und Kraterringe an der Hell−/Dunkelgrenze erkennen.
Es blieben aber Aufnahmen, die nach einer weiteren optischen Vergrößerung verlangten.
Bei Überprüfung entsprechender Astronomie−Links konnte ich feststellen, dass schon viel Literatur zum Thema Astrofotografie mit digitalen Kameras vorlag.
Aufnahme 1: Kamera 38mm, 2: Kamera 190mm, 3: Fernglas 38mm, 4: Fernglas 360mm

Besonders interessant:
Um brauchbare Bilder zu erzeugen, musste nicht notwendigerweise mit großen Investitionen kalkuliert werden, sondern schon mit einem guten Feldstecher bei 7 bis 8−facher Vergrößerung und Objektivdurchmesser von 50mm sollten brauchbare Aufnahmen gelingen.

Da Probieren über Studieren geht, habe ich gleich einen Feldstecher zur Hand genommen und versucht Aufnahmen von etwas weiter entfernten Bäumen, Häusern oder anderen Objekten zu machen.

Die Anleitung hierfür klingt relativ simpel:
Den Feldstecher fixieren, das gewünschte Objekt scharf stellen und die Kameralinse im Brennpunkt der „Ausgangspupille“ (das vom Okular des Fernglases wiedergegebene vergrößerte Abbild des Zielobjektes) platzieren und dann mit der Kamera scharf stellen, eventuell vergrößern, um ein „Vollbild“ zu erhalten. Ohne Vergrößerung wäre nur das Scheibchen der Augenpupille scharf in einem dunklen Umfeld zu sehen, dieses Scheibchen lässt sich aber in der Nachbearbeitung dann noch zu einem, wenn auch nicht sehr großen, Bild vergrößern. Die Nutzung des optischen Zooms ergibt einen größeren Detailsreichtum.
Das Einzoomen des Scheibchens mit der Telefunktion der Digicam stößt aber auch schnell an optische Grenzen, da durch die „Okularprojektion" gewaltige Vergrößerungen möglich sind, die schnell zu „leeren" Vergrößerungen werden. Das bedeutet, dass zwar sehr hohe Vergrößerungen erreichbar sind, aber die Helligkeit der Darstellung und der Detailreichtum ab einer bestimmten Vergrößerung, die sich durch die optisch−physikalischen Gesetze ergibt, sinnlos wird.
Im Allgemeinen gilt die Begrenzung der Vergrößerung auf den doppelten Durchmesser des Fernrohrobjektivs. Bei meinem Feldstecher demnach 100−fache Vergrößerung bei 50mm Objektivöffnung.

Die durchaus brauchbaren Ergebnisse meiner Versuche, freihändig solche Aufnahmen zu realisieren, ließen mich schnell über eine feste Verbindung zwischen Kamera und Feldstecher nachdenken.

Digicams für den Normalgebrauch sind klein und leicht, bedürfen also keiner aufwendigen Montierung am Feldstecher oder Fernglas, was den Selbstbau stark erleichtert.
Aber auch im Handel gibt es Kamerahalter für die Fotografie durch Fernrohre, die schon ab ca. € 50,00 zu erhalten sind.
Da ich aber auch ein astro− nomisches Fernrohr besitze, legte ich den Feldstecher zur Seite und wollte ich es jetzt wissen.


Teleskop Bauart Schmidt–Cassegin, 8 Zoll Öffnung, 2000 mm Brenn− weite, Lichtstärke 3,8
Schon früher habe ich mit analogen Kameras „Astro–Aufnahmen" gemacht. Aus Zeitgründen bin ich in den letzten Jahren nicht mehr dazu gekommen Astrofotografie aktiv zu betreiben (es sind bei bestimmten Objekten lange Belichtungszeiten nötig, die Negativ–Entwicklung sollte nicht dem Fotolabor überlassen werden, sondern in der heimischen Dunkelkammer erfolgen und mitten aus einer hellen Großstadt heraus sind diese Aufnahmen meistens nicht zu realisieren, es muß daher eine Location außerhalb der Stadt gesucht werden).
Nun wollte ich sehen, was mit einfachem digitalen Equipment machbar ist. Mit einem Adapterring, einem speziellen 30 mm–Okular und einem Adapter von 44,2mm auf 55,0mm war die Verbindung schnell herzustellen. Kosten hierfür ca. € 120,00.

Da sich das Fernrohr in unserem Urlaubsdomizil befindet und dort nur die leichte Reisemontierung vorhanden ist, war mir von vornherein klar, dass alle dort gemachten Aufnahmen nur zur Einübung dieser für mich neuen Fotografie gemacht werden konnten, wirklich überzeugende Ergebnisse sind nur mit einer stabilen Montierung möglich.

Und dann war es wieder der Mond, der für diese Experimente herhalten musste. Dabei möchte ich aber anmerken, dass dieses Motiv des Spaßfaktors wegen immer wieder große Faszination bei Mond− "Spaziergängen" ausübt!

Trotzdem, einige Versuche Saturn oder Jupiter digital zu bannen, aber die Ergebnisse waren nicht das Gelbe vom Ei. Bei diesen Objekten muss ich noch an der Aufnahmetechnik feilen um mit mehr Übung – und einer festeren Montierung – bessere Ergebnisse erreichen.
Beide Aufnahmen Blende 2,8 – 1/8 sec mit 38mm Objektiveinstellung durch das 2000mm Fernrohr mit 30mm Okular.

Zurück zur „Astrolight“ Fotografie: Mit Belichtungsautomatik, Selbstauslöser (um Schwingungen des Stativs vor der Belichtung ausklingen zulassen) und von einem stabilien Fotostativ konnte ich eindrucksvolle Bilder vom Mond schießen, die beim Herumzeigen oder bei Betrachtung am Monitor immer wieder große Bewunderung auslösen. Es ist, wie dargestellt möglich, ohne große Hilfsmittel (außer einem Stativ), mit einer Digital−Kamera neue Dimensionen zu erreichen und hierdurch angestachelt vielleicht auch etwas tiefer in die Himmelsfotografie einzusteigen und so ganz nebenbei ein neues Hobby zu gewinnen.

Mein Tipp: Einfach einmal ausprobieren.

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