Pangandaran, West Java, Indonesien

Ein Traum von einem Fleckchen Erde

Pangandaran ist ein kleines Fischerdorf an der Südküste von Java. Doch es gibt keinen schöneren Ort für mich in Indonesien (und ich habe ein gutes Stück des Landes gesehen).

Dieser kleine verschlafene Ort erwacht vor allem an indonesischen Feiertagen zu großem Leben, da er ein beliebtes Reiseziel einheimischer Touristen aus West− und Zentral−Java ist. Aus den Großstädten Yogyakarta, Bandung und Jakarta fallen plötzlich Menschenmassen ein und beleben die Strandpromenade, den Fischmarkt und das Wasser mit Leben. Wer also vorhat über Idul Fitri (Ramadan−Ende), Silvester oder sonstige große Feiertage diesen wunderschönen Flecken Erde zu besuchen, sollte sich sein Guesthouse oder Hotel vorher buchen.
Die Sonnenuntergänge an der Strandpromenade
Fluss in der Umgebung
Fischerboote am Strand, hier sieht man noch leichte Zerstörungserscheinungen vom Tsunami
Ich für meinen Teil liebe Pangandaran aber vor allem ohne die Menschenmassen. Wenn man einfach nur in den Tag hinein lebt und einen vollkommen entspannten Urlaub verbringen kann. Vor allem nach Rundreisen durch Indonesien ist es eine willkommene Erholungs−Oase. Gut, zur Erklärung, ich habe ein halbes Jahr in Indonesien gelebt und viele Wochenenden in Pangandaran verbracht und nachdem ich wieder in Deutschland war, hat es mich nach einem Jahr wieder für einen Urlaub dorthin zurückgezogen. Aber es ist einfach ein Ort, der fesselt. Ich habe viele Rucksacktouristen dort kennen gelernt, die am Anfang sagten, sie bleiben nur 2−3 Tage – der Extremfall blieb 2 Wochen!! Für das warum kann ich nur Thesen anstellen – der Strand, das Meer, unglaubliche Sonnenuntergänge, Surfen, Dschungel, den man zu Fuß erreichen kann, Seafood, und zig Ausflugsziele in der näheren Umgebung, die locker mit Auto oder Moped zu erreichen sind. Aber eines ist ganz sicher: Es sind die Menschen! Die Menschen in Pangandaran sind einfach unglaublich nett und offen und hilfsbereit.
4 Monate nach dem Tsunami sah es noch so in Pangandaran aus, heute stehen auf diesem Brachland wieder Wohnhäuser.
Der Innenhof des Bamboo−House. Alles ist handbemalt und mit seinem eigenen Charme.
Vielleicht liegt ihre positive Art daran, dass sie viel Schlimmes erlebt haben, denn während die ganze Welt noch mit dem verheerenden Tsunami von 2004 beschäftigt war, kümmerte sich das Meer vor der Südküste Javas nicht weiter darum und schickte im Juli 2006 eine vergleichsweise kleine, aber für die Anwohner genauso zerstörerische Welle über Pangandaran. Ich habe den Ort erst nach diesem Schicksalsschlag kennen gelernt, und ich bin sehr froh darum, denn so kenne ich nicht die genauen Ausmaße der Zerstörung, obwohl sie im September 2006 natürlich noch sehr gut zu sehen waren, und vor allem habe ich keine Freunde verloren. Natürlich war das ein harter Schlag für Pangandaran, seine Anwohner und vor allem den Tourismus, da auch viele einheimische Touristen Angst hatten, es könnte ein weiteres Mal geschehen. Der Ort war auf einen Schlag verkleinert worden und viele Restaurants und Bars an der Strandpromenade waren einfach verschwunden. Aber die Anwohner haben nicht aufgegeben.

Jetzt, fast 3 Jahre nach der Tragödie, sieht man immer noch Spuren der Zerstörung, aber alles befindet sich im stetigen Aufbau. Die Promenade ist neu aufgehübscht, Hotels und Restaurants am Strand wieder renoviert oder neu aufgebaut und auch die Anwohner haben sich wieder in Meer−Nähe niedergelassen. Das einzige was die ganze Zeit unverändert schön war, war die Natur und der unzerstörbare Optimismus der Anwohner.

Pangandaran erstreckt sich östlich und westlich von einer Halbinsel, die den Nationalpark beherbergt. Mein Hotel−Tipp ist das Bamboo House, es liegt am Weststrand, der auch der Surf−Strand ist. Das Hotel liegt an der Parallelstraße zur Strandpromenade, hat aber „vorne“ am Strand das dazugehörige Bamboo Café als Restaurant und Bar. Wie der Name schon sagt, sind die Gebäude des Bamboo aus Bambus, das gilt vor allem für das Café, aber auch für einen Teil der Unterkünfte. Dadurch sind die günstigeren Zimmer aus Bambus etwas hellhörig, wer also Angst vor Nachbarn hat, ist in den etwas teureren, steinwändigen Zimmern gut aufgehoben. Insgesamt sind es um die 10 Zimmer mit eigenem Bad, die preislich bei 5−11€ liegen. Dabei finde ich die günstigeren, hellhörigen Bambuszimmer schöner, da ihr ¾−bedachtes Bad im Freien liegt. Im Zimmerpreis inklusive ist ein leckeres Frühstück im Bamboo Café. Hotel und Café sind im Besitz der unglaublich netten Familie Ari.

Falls man das Surfen lernen will, ist Pangandaran dafür perfekt. Ich habe es selbst hier erlernt und die Wellen, die schnurgerade auf den Strand zulaufen, sind für Anfänger eine super Basis. Dabei muss man allerdings auf die ansässigen Surf−Cracks hören, wann die Wellen genau die richtige Schwäche haben, um zu lernen. Fortgeschrittene & Profis haben dann zu anderen Zeiten sehr viel Gelegenheit Wellen zu reiten, und das nicht nur direkt am Weststrand von Pangandaran, sondern auch bei den zum Teil etwas entfernten Surf−Spots Batu Mandi (am Nationalpark) oder Batu Karas. Wer sich nicht auskennt, fragt einfach die surfenden Anwohner, die immer am Strand oder in einem der kleinen Restaurants an der Promenade zu finden sind, und die immer gerne bereit sind gegen kleines Geld Surfstunden zu geben oder einen zu anderen Surf−Spots zu führen. Dabei geben die Jungs eine Garantie, dass man in der ersten Stunde auf dem Brett stehen wird. Ich gebe zu, das klang ziemlich utopisch, und ich habe es nicht geglaubt, aber ich stand als blutige Anfängerin nach ca. 25min das erste Mal länger als eine Millisekunde und ritt meine erste Welle. Wer Namen erfahren will, darf mich gerne anschreiben.
Die Strandpromenade − hier gerade total leergefegt, weil ein Regenschauer runterkam
Eins der Ausflugsziele: Batu Hiu, ein Strand mit Klippen und Mangrovenwald, sehr schön, um eine Kokusnussmilch mit Meerblick zu genießen!
Der Strand ist überall in Pangandaran sehr schön, aber wer auf weißen Strand besteht, läuft bis zum westlichen Anfang der Nationalpark−Halbinsel, wo sich der Pasir Putih (White−Sand−Beach) befindet. Hier aber bitte vorsichtig sein beim Schwimmen, da die Strömung es je nach Tide ordentlich in sich hat.
Die Steilklippen an der Nationalpark−Halbinsel
Die unerlässlichen frechen Affen, im Wald gibt es auch noch schwarze, wilde Affen, die zum Glück noch menschenscheu sind.
Der Nationalpark ist auf jeden Fall einen Ausflug wert. Dabei sollte man aber nur ohne Guide unterwegs sein, wenn man die Wege im erschlossenen Teil nicht verlässt. Denn auch wenn die Halbinsel nicht besonders groß zu sein scheint, kann man sich wunderbar darin verlaufen. Und am Strand einfach drumherum gehen, geht leider auf Grund der Klippen nicht. Auch da sind aber immer Einheimische gerne zur Hilfe, und auch die, die einem vorher schon das Surfen beigebracht haben, denn schließlich wohnen sie ihr Leben lang dort und kennen den Nationalpark wie ihre Westentasche. Wer auf Nummer besonders sicher gehen will, fragt nach jemandem, der einen Guide−Pass hat. Im tiefsten Dschungel kann man dann ein bisschen kraxeln und sich bis zum Wasserfall durchschlagen, der in Trockenperioden leider eher ein Wassertröpfelchen ist. Aber auch dazu wissen die Jungs immer einen aktuellen Stand der Dinge. Die Fauna des Nationalparks geht von den üblichen Affen−Sippen über Riesen−Kröten bis hin zu altbekanntem Rotwild.
Weg zum Green Canyon
Green Canyon
Ein Pflicht−Ausflugsziel in Moped−Nähe ist der Green Canyon. Hier kann man sich mit bis zu 7 Personen ein Boot samt Führer mieten. Der Preis gilt hier pro Boot und bleibt dementsprechend gleich, wenn man auch nur zu zweit fährt. Die Bootsfahrt führt einen Fluss hinauf, der dem „grün“ im Namen schon alle Ehre macht. Mit etwas Glück bekommt man Warane oder kleine Krokodile zu sehen. Wer die Ufer des Flusses schon als wunderbar grün empfand, wird sich wundern, sobald er den Green Canyon erblickt. Zu beiden Seiten des Flusses türmen sich plötzlich Steinwände auf, von denen es stetig runtertröpfelt. An besonders heißen Tagen ist es hier schön kühl und man kann durch (Vorsicht! Sehr glitschiges!) Klettern und Schwimmen viel tiefer in den Canyon eindringen, als die Boote es schaffen. Dieser Canyon ist ein wunderschöner Platz, der die überraschende Vielseitigkeit der indonesischen Natur mal wieder aufs Vortrefflichste unterstreicht.

Ein ähnlicher und doch total unterschiedlicher Platz ist das Green Valley. Es wird nicht oft in Reiseführern erwähnt und ist somit ein Geheimtipp unter den Anwohnern. Nach einem beschwerlichen Moped−Weg und einem unausgeschilderten Fußweg (deswegen besser mit Guide ab Pangandaran losfahren) kommt man wiederum an ein Flüsschen, das aus einer Höhle herausfließt. Am Ufer kann man in der Sonne liegen und ab und an zur Abkühlung in das wundervoll saubere Flusswasser gehen. Am Höhleneingang kann man auch ein Stück hochklettern und à la Klippenspringer in den Fluss springen. Es geht auf jeden Fall, man sollte nur vorher testen, wo das Wasser wie tief ist, da auch das vom momentanen Wasserpegel abhängt. 10 Meter hinter der Höhlenöffnung gibt es einen kleinen Wasserfall. Alles in Allem ein sehr ruhiger, da unbekannter Platz, an dem man ein paar schöne Stunden verbringen kann.
Von oben tröpfelt das Wasser, die Sonnenstrahlen versuchen sich durch das Dickicht zu schlagen, und unten ist es erfrischend kühl − Green Canyon
Leider verwackelt, aber hier ist, wer genau hinschaut ein kleines Flusskrokodil zu sehen. Im Fluss zum Green Canyon.
Green Valley − abgeschottet und friedlich. Wunderschön.
Einen Abend sollte man auf jeden Fall am Pasar Ikan, am Fischmarkt, an der Ostküste der Halbinsel verbringen. Dort kann man sich Garnelen, Hummer, Tintenfische und natürlich allerlei Fischsorten fangfrisch aussuchen, um diese dann genüsslich bei Reis und Kankung (Spinat−ähnliches Gemüse) mit Blick aufs Meer zu verzehren. Natürlich Indonesien−gerecht mit den Fingern!

Die Anreise: von Jakarta (Busbahnhof Kampung Rambutan) oder Bandung (Busbahnhof Cicaheum) mit dem Bus, von Yogyakarta mit der Bahn bis Banjar und dann mit dem Bus weiter nach Pangandaran.

Ich kann jedem der seinen Fuß nach Indonesien setzen will, nur empfehlen ihn auch in Pangandaran mal abzustellen. Für eventuelles Sich−in−diesen−Ort−verlieben übernehme ich aber keine Haftung!

Diesen Artikel empfehlen bei:
 
  Kommentare  
Es sind noch keine Kommentare vorhanden. Um diesen Artikel zu kommentieren und zu bewerten, melden Sich sich einfach an.
Wir übernehmen keinerlei Verantwortung für enstandene Schäden beim Befolgen des Inhalts der Themen, Anleitungen oder Tipps.
home
  Login  
 
  Top24  
IMPRESSUM NUTZUNGSBEDINGUNGEN KONTAKT