Eine Schnaps−Idee?!

Als Privatpilot von Hamburg nach Ibiza

Teil 1: Von der Idee zur Planung

Mit den Absolventen unserer Flugausbildung und „Ehemaligen“ unserer Flugschule hatten wir schon über ein Jahr einen monatlichen Stammtischtermin.
Für einen Frischling wie mich und eine Flugschülerin, wie meine Frau, war es schon toll, endlich dazu zu gehören.

Nach einem ¾ Jahr mit etwas unter 100 Flugstunden − nicht nur in der Flugplatzumgebung – juckte es mich (uns) in den Fingern, mehr zu erleben. Meine Frau wollte im Mai – in einem guten Vierteljahr – ihre Flugprüfung machen. Das könnte dann doch gleich gekrönt werden mit einem gemeinsamen Flugerlebnis der besonderen Art.

Von den „alten“ Fliegern (so etwa ab 20 Lebensjahren) hörten wir am Stammtisch von Flugabenteuern und Flügen ins fernere Ausland, die schon absolviert wurden oder die „Mann“ machen müsste.

Auch wir „Jungpiloten“ in dieser Runde hatten Dänemark schon mehrfach in dem ¾ Jahr unserer fliegerischen Laufbahn angeflogen: Sønderborg, Odense und Samsø waren die Ziele.
Navigatorisch waren diese Flüge aber eher anspruchslos, wenn auch im Falle von Samsø eine längere Strecke über die Ostsee geflogen werden musste. Der Kick einer Aus− und Einreisekontrolle mit Flugplanaufgabe war sicher auch etwas Besonderes. Aber der für den grenzüberschreitenden Verkehr notwendige Flugplan wurde per Telefon von der freundlichen Luftaufsicht in Flensburg nach Sønderborg durchgegeben und dann bei der dänischen Flugaufsicht nach der Landung und der Zollabfertigung wieder geschlossen, zurück musste dann aber für uns beim ersten Mal völlig Überraschten, ein korrekter schriftlicher Flugplan mit zitternden Händen erstellt werden.
Der Weiterflug in Dänemark war dann bemerkenswert unbürokratisch. Ausnahme: die für den Ein− und Weiterflug in Dänemark benötigte wesentlich höhere Versicherungsdeckungssumme des Luftfahrzeuges, die unbedingt von der Versicherung bestätigt sein musste.
An den Stammtisch−Abenden wurde kräftig weiter spintisiert.
Ferne Ziele wurden im Geiste angeflogen und immer wieder verworfen.
Aber: Der Virus war eingepflanzt. Allen juckte es in den Fingern, sich dieser besonderen fliegerischen Herausforderung zu stellen.

Da meine Frau in den Sechzigern schon einmal mehrere Jahre auf Ibiza gelebt hatte und auch ich diese Insel inzwischen lieben gelernt hatte, schlugen wir immer wieder als mögliches erstes Ziel unseres „Fernfluges" eben diese Insel vor.
Nachdem wir von den Schönheiten dieser Insel, den Menschen und der Landschaft ausgiebig geschwärmt hatten, gab es auf einmal und für uns überraschend, doch eine Mehrheit für Ibiza als Ziel unserer ersten Flugexpedition.
Der Start sollte in etwa drei Monaten erfolgen. Festgelegt wurde von den alten Hasen, damit sie sich nicht als Babysitter betätigen mussten, dass jeder der mitmachen wollte, eigenverantwortlich die Route plante. Ein Treffen sollte dann zum festgelegten Termin unser Zielflughafen „LEIB“ = Ibiza sein.

Nach der ersten Euphorie begannen meine Frau und ich unser Vorhaben etwas nüchterner zu durchdenken. Es war doch etwas ganz anderes über einen solchen Flug nur zu fabulieren, als nun die Voraussetzungen für die Durchführung zu schaffen. Die erste Überprüfung ergab: Ich hatte alle erforderlichen Lizenzen für einen VFR−Flug (Flug nach Sichtflugregeln), die CVFR (kontrollierter Sichtflug) Ausbildung hatte ich gerade bestanden und das „Allgemeine Funksprechzeugnis" (Flugfunkabwicklung auch für IFR, Instrumentenflugregeln) sollte für die Anforderungen im Ausland hilfreich sein, meine Kopilotin sollte bis dahin ihren Flugschein erhalten haben und kann sowohl in Command (mit ihrem BZF 2 – für englischsprachigen Flugfunk) oder als Navigatorin mit mir den Anforderungen gerecht werden.
Als Erstes sollte nun das benötigte Kartenmaterial beschafft werden, wobei wir feststellen mussten, dass es für Spanien die uns geläufigen ICAO−Karten noch gar nicht gab, die Alternativen waren ziemlich große US−Militär−Karten). Dann wollten wir unsere Route festlegen. Hierbei wurden uns zwar von unseren Stammtischbrüdern Vorschläge für die unterschiedlichen Wetterbedingungen und Tagesetappen gemacht, aber keiner hatte Erfahrungen mit Flügen in Frankreich oder Spanien.
Zu Hause wurden dann Karten studiert und der „Bottlang−Europa" zurate gezogen (eine Sammlung von Anflugkarten für alle Flugplätze sowie den Rechtsvorschriften und Regularien für die Nutzung des Luftraumes der Transitländer).
Navigation per GPS gab’s noch nicht, aber auch wenn es sie schon gegeben hätte, wir benötigten die Frequenzen aller auf dem Weg befindlichen Funknavigationsanlagen. Hier sollten die Jeppesen Funknavigationskarten für den unteren Luftraum helfen.

Die Vorbereitungen erwiesen sich dann als ein spannendes Unterfangen.
Wir ließen uns von den sehr hilfsbereiten Mitarbeitern des AIS−Hamburg (Air traffic and informations service) und den Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes im Flughafen Hamburg über Grundsätzliches zum Flug nach Ibiza Ende April/Anfang Mai ausführlich beraten. Flugrouten wurden geprüft, verworfen und modifiziert, bis wir unseren Weg von Uetersen nach Ibiza festgelegt hatten. Auch eine Alternative für schlechtes Wetter musste ausgearbeitet und die Tagesetappen inclusive möglicher touristischer Exkursionen nach unseren Fähigkeiten festgelegt werden.

Endlich hatten wir unseren Weg gefunden und flogen schon mal im Geiste die Strecke ab. (Schade, dass es Google−Earth noch nicht gab!)
Als wir dann beim nächsten Stammtischabend unsere Flugplanungen verglichen, waren alle die VFR unterwegs sein wollten, je nach Reichweiten ihrer Flugzeuge, zu einer sehr ähnlichen Routen− und Höhenauswahl gekommen.

Bis zum vorgesehenen Starttermin lichteten sich noch die Reihen der Mitflieger. Am Ende waren es nur noch drei Flugzeuge mit einer Besatzung von insgesamt fünf Piloten und einer Pilotin.

Wir blieben bei unserer Route, die Stopps ergaben sich dann während unseres Fluges, sind aber hier schon aufgelistet:
1 Flugtag: Uetersen −Saarbrücken / Saarbrücken−Lyon Bron – Stop – 1xÜ. Lyon
2. Flugtag: Lyon Bron−Perpignan − Stop − Mietwagen nach Colliure, 1xÜ. Hotel Fregatte
3. Flugtag: Perpignan−Valencia / Valencia−Ibiza
Eröffnung des Außenstammtisches in Ibiza Stadt im Hostal la Marina und 1 Woche Aufenthalt
Rückflug:
1. Flugtag: Ibiza−Valencia / Valencia−Gerona − Stopp − Mietwagen nach Cadaqués 1xÜ. , Sightseeing „Dali", Sa Tuna 1xÜ, Begur, Sightseeing Costa Brava.
2. Flugtag: Gerona−Lyon / Lyon−Saarbrücken – Stopp − 1xÜ Heckendahlheim
3. Flugtag: Saarbrücken−Uetersen

Also 6 Flugtage, 7 Tage für Hin− und Rückreise und 8 Tage Urlaub auf Ibiza = Insgesamt rund 2 Wochen, wenn das Wetter so mitspielen würde wie von uns geplant.
Diesen Artikel empfehlen bei:
 
  Kommentare  
Es sind noch keine Kommentare vorhanden. Um diesen Artikel zu kommentieren und zu bewerten, melden Sich sich einfach an.
Wir übernehmen keinerlei Verantwortung für enstandene Schäden beim Befolgen des Inhalts der Themen, Anleitungen oder Tipps.
home
  Login  
 
  Top24  
IMPRESSUM NUTZUNGSBEDINGUNGEN KONTAKT