Helgoland – immer ein besonderes Erlebnis!

Ostern 2008 „iip Lunn“ (hochdeutsch: „auf Helgoland“)

So ganz objektiv kann ich nicht sein, wenn ich über Helgoland schreibe.
Wen diese Insel einmal gepackt hat, der wird dort immer wieder − und sei es nur für ein Wochenende – die Schnellaufladung seiner Vital−Akkus suchen.

Ein zusätzlicher Reiz besteht in der Abhängigkeit der An− und Abreise von Wetter, Wind und Meer.
Gerade in der Vor− oder Nachsaison kann es heftig stürmen und der Schiffsverkehr stark beeinträchtigt werden. Da aber viele Wege über See und durch die Luft nach „Lunn“ (wie die „Eingeborenen“ ihre Insel nennen) führen, wird die geplante Reise in der Regel, eventuell um einen Tag verschoben, doch fast immer zeitnah möglich sein.

Die Entschädigung für die mögliche Unbill: Eine andere Welt auf der Hochsee, fast schon so, als sei man ganz weit weg auf den Färöern gelandet und nicht nur 60 km vom Festland entfernt. Dabei wird zunehmend auch im Herbst− und Winterhalbjahr das Angebot für den Reisenden immer umfassender. Hotels und Apartmenthäuser auf einem hohen Niveau, Meerwasserschwimmbad mit Badewannentemperatur und ein Zusammentreffen mit der helgolandtypischen Nähe zu Tier und Natur.
Deutschlands größte Raubtiere, die Kegelrobben sind auf der Düne – im Sommer die Badeinsel – hautnah zu erleben. Kolonien von mehr als 100 Tieren sind kein seltener Anblick. Anfang des Jahres werden die Jungtiere geboren. Im Jahr 2008 waren es rund 50 Robbenbabies, die mit ihrem weißen Fell und Kulleraugen die Besucher begeisterten.
Zu Ostern, in diesem Jahr schon Ende März wollten wir wieder einmal ein paar Tage auf der Insel ausspannen. Anreisen wollten wir am Ostersonnabend und am folgenden Mittwoch wieder zurück nach Hause. Da die Verbindung mit dem Schiff ab 15. März auch von Büsum wieder möglich war – Büsum liegt nur eine gute Fahrstunde mit dem Auto von unserem Wohnsitz entfernt – war klar, dass wir eine „Seefahrt“ buchen wollten. Also: Ablegen um 09:15 Uhr, Ankunft gegen 12:00 Uhr.

Freunde von uns fuhren schon am Kar−Freitag und berichteten uns von einer sehr stürmischen Überfahrt und einer Fahrzeit von über 3 ½ Stunden. Trotz unserer mentalen Nähe zu Helgoland, fand meine Frau die Aussicht auf eine mögliche Wiederholung am Samstag, unserem Reisetag, nicht sehr berauschend.
Ein schnelles Telefonat mit den Inselfliegern ergab noch zwei freie Plätze in dem Morgenflieger ab Büsum. (Eine zweimotorige Brittan−Norman mit maximal 9 Passagiersitzen, wenn der Co−Pilotenplatz ebenfalls belegt wird). Schnellentschlossen hatte meine Frau diese Plätze für uns gebucht.
Nach einem pünktlichen Start und Flug über die stürmische und aufgewühlte See landeten wir sicher auf dem Flugplatz Helgoland. Das Wetter war nichts für Weicheier, uns empfing eine wirklich steife Brise, aber es war noch trocken.
Für Inselkenner kein Problem – das Wetter ändert sich auf der Hochsee sehr schnell. Wir ließen uns mit den anderen Fluggästen zum Fähranleger der Düne bringen, um uns von dort mit der „Witten Kliff“ auf die Hauptinsel – Helgoland – übersetzen zu lassen.
Am Anleger erfuhren wir, dass die Schiffsverbindung von Büsum für den heutigen Tag gestrichen war, ebenso wie der Katamaran von Hamburg über Cuxhaven. Nur das Schiff von Cuxhaven, die „Funny Girl“ wurde noch erwartet.
Meine Frau hatte es im Gefühl gehabt, Ihre Buchung rettete unsere Anreise am Ostersonnabend!
Der nächste Tag! Sonne, Sonne und noch einmal Sonne. Wir wurden vom strahlend blauen Himmel und schönsten Sonnenschein geweckt.

Die Parole konnte nur lauten: Rüber auf die Düne und einmal rum, selbstverständlich mit Stopp im Dünenrestaurant.

Also nichts wie unter die Dusche, zum Bäcker für die Brötchen – die Geschäfte haben auch an Sonn− und Feiertagen geöffnet – Frühstück und runter zur Brücke, von wo die Dünenfähre ablegt.

Offenbar war alles was Beine hatte ebenfalls auf diesem Weg. Die Fähre fuhr im ½ −Stundentakt und war gefüllt mit gut verpackten Dünenwanderern – denn kalt war es trotz allen Sonnenscheins.
Auf der Düne waren wir dann schnell wieder fast alleine unterwegs. Die Menschen teilten sich in kleine Grüppchen, die unterschiedliche Routen auf dem Weg rund um, oder quer durch die Düne, wählten.
Wir bogen am Anleger nach rechts ab, um über den Südstrand unsere Umrundung zu beginnen. Der traumhafte, ausgedehnte Sandstrand, die Sonne und schon bald die ersten Robben am Übergang von Sand− zum Steinstrand machten diesen Weg zum Erlebnis.
Durch den starken Wind in den vergangenen Tagen, Landratten würden Sturm sagen, lohnte es sich auch auf den Boden an der Wassergrenze zu achten. Interessante Steine, bis hin zu Bernstein warteten darauf gefunden zu werden.
Das Dünenrestaurant hatte schnellentschlossen geöffnet. Also nichts wie rein. Drinnen konnten die Helfer im Ausschenken warmer Getränkte und der Zubereitung kleiner Snacks kaum den Bestellungen nachkommen.
Dann wieder gestärkt hinaus. Sonne, Wind und Brandung machten den Weg zur Lust. Immer wieder Begegnungen mit Robben, Seehunden und allen Arten von Seevögeln. Zurück am Fähranleger warteten wir wieder, durch die frische, saubere Luft gestählt, auf die Fahrt zurück in die Zivilisation.

Der nächste Tag!
Wir wachten auf und wollten uns gleich wieder in die Kissen kuscheln. Es war noch sehr dunkel, es schien viel zu früh zu sein. Aber der Blick auf die Uhr signalisierte: Aufstehen, schon 08:30 Uhr. Was war passiert? Schnell den Vorhang zurückgezogen und wir sahen nichts – ein dichtes Schneetreiben verhinderte jedweden Durchblick!

Na denn, der Ostermontag schien ziemlich ruhig zu werden. Naturverbunden ja, aber nicht um jeden Preis. Also Schneegestöber Schneegestöber sein lassen, noch eine Runde aufs Ohr legen und sehen, was dann läuft.
Oben: Die Brücke im Schneegestöber, vom Falm (Kante des Oberlandes) nur noch zu erahnen
Unten: Der Leuchtturm am Südstrand, gerade noch sonnenbeschienen, jetzt im Schnee!
Oben: Die Brücke danach, mit der Dünenfähre „Witte Kliff“
Unten: Blick vom Falm über die Dächer des Unterlandes
Nach dem späten Frühstück hatte es aufgehört zu schneien. Draußen war eine traumhafte Winterlandschaft entstanden, die sich aber bis zum Nachmittag wieder in frühlingshafte Nässe zurückverwandeln sollte.

Trotzdem ein toller Tag. Erst in die Kirche. Am Ostermontag wurden die Helgoländer Jubel−Konfirmanten geehrt. Auch wenn es diesmal nicht ganz so viele Konfimanden waren, kam doch eine stattliche Zahl von Jahren zusammen. Allein zwei Gnadenkonfirmanden, deren Konfimation länger als 80 Jahre zurück lag, waren diesmal anwesend. Eine schöne Tradition die „Alten“ zu ehren. Für die Konfimanden und deren Angehörige setzte sich die Feier noch im Gemeindehaus bei Kaffee und Kuchen fort, wo dann alte Erinnerungen aufgefrischt werden konnten.
Für uns gings nach dem Gottesdienst wieder hinaus. Wir umrundeten das Unterland, gingen um das Hafenbecken, begrüßten die Passagiere der inzwischen wieder komplett erschienenen Schiffe zusammen mit den vielen anderen Schaulustigen.

Nach dem Mittagessen noch ein schneller Blick über das Kliff in Richtung England, also auf die offene See, ein Gruß zur „Langen Anna“, den einsamen Wahrzeichen der Insel und zurück nach ausgiebigem Einkaufsbummel in die warme Stube.

Der nächste Tag war ungemütlich, leichter Regen niedrige Temperatur – wenig spielte sich draußen ab. Trotzdem eine Runde um das Oberland machte Laune und danach war Lesen und Fernsehen angesagt.
Am Abend – der Letzte unseres Osterausfluges – wollten wir uns noch mit der Helgoländer Spezialität belohnen. Ein Knieper−Essen mit allem drum und dran. Das bedeutete frisch gegarte Taschenkrebs−Scheren, Toast, Butter mit zwei verschiedene Saucen, zusammen mit einem gepflegten Bier zu genießen.
Ein ganzer Teller voller Knieper – was kann es schöneres geben?!
Das Schiff zurück ans Festland – Helgoland / Büsum
Am nächsten Tag wieder Sonnenschein – also noch einmal kurz zur Düne und dann packen – zurück diesmal mit dem Schiff bei recht ruhigem Seegang.

Nach drei Stunden (gegen die Tide) gemütlicher Fahrt und Genuss eines Nachmittags−Kuchengedecks, kleinen Resteinkäufen an Bord und dem Schreiben von Postkarten zum Versand mit dem Schiffsstempel, erreichten wir wieder Büsum.

Da am Mittwoch kein Rückreiseverkehr stattfand, erreichten wir ausgeruht und mit den Erlebnissen der letzten fünf Tage im Herzen unser Zuhause.

Eins ist für uns klar: Bei nächster Gelegenheit geht es wieder gen Helgoland.
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