Historische Route durch Bayerns Südosten, den Chiemgau und das Berchtesgadener Land

Die Region ist ein Überbleibsel des letzten Alpengletschers vor fast 15.000 Jahren. Ein übergroßes Freilichttheater und mitten drin, das Bayerische Meer, der Chiemsee.
Lassen Sie mich mit dieser bezaubernden Route in Kufstein, der Stadt mit der stolzen Feste hoch über dem Inn beginnen. Weiter führe ich Sie durch das Priental an den schon besagten landschaftlich bezaubernden Chiemsee. Von dort schlagen wir die Deutsche Alpenstraße in Richtung Königssee ein, der zu Füßen des zweithöchsten Gipfels in Deutschland liegt, dem Watzmann. Dieser malerische See liegt tiefblau im Nationalpark Berchtesgaden.

Majestätisch über der Stadt am Inn steht seit Jahrhunderten die Feste Kufstein, das Wahrzeichen der Stadt. Sie galt als uneinnehmbare Burg bis sie 1504 von den Österreichern und Kaiser Maximilian im Sturm erobert wurde. Bei einem Bummel durch die Stadt sollten Sie auf die Zeit achten, denn täglich um 12 Uhr ertönt die Heldenorgel aus dem Bürgerturm über die Stadt. Mit 4.307 Pfeifen ist die Orgel die größte Freiorgel der Welt.
Sachrang, das Dorf des Müllner Peters. Das kleine bayerische Dorf am Anfang des Prientales hat eine lebendige Chronik zu verzeichnen. Ein Kleinod, die Sachranger Dorfkirche. Die Graubündner Brüder Giulio und Pietro Zucalli gaben der Pfarrkirche St. Michael (Ende des 17. Jh.) eine besonders prunkvolle Note, die man im kleinen Dorf an der Grenze nicht erwarten würde. Dem berühmtesten Sachranger, dem Huber Peter (1766−1843), nach seinem Beruf als Müllner benannt, widmete der Schriftsteller Carl Oscar Renner einen Roman »Der Müllner−Peter von Sachrang«. Der Roman wurde verfilmt und Sachrang zur Legende.
Auf der Weiterfahrt an den Chiemsee kommt man durch Aschau im Chiemgau mit dem mächtigen Schloss Hohenaschau (12. Jh.). Unterstützt von den beiden Zwiebeltürmen der barocken Pfarrkirche Darstellung des Herrn prägt das große Schloss das obere Priental.
Ein Muss auf dem Weg an den Chiemsee, ist ein Abstecher nach Urschalling, St. Jakobus
Die schlichte kleine Dorfkirche (im 12. Jh. Burg und Kirche der Falkensteiner) beherbergt eine der bedeutendsten Kirchenmalereien des Alpenraumes. Der gotisch−romanische Freskenzyklus ist dem 12. – 14. Jh. zuzuordnen.
Bayerns größter See, der Chiemsee umfasst 84 km². Sein wichtigster Zufluss ist die Tiroler Ache, die sich in ihrem Mündungsdelta zu einem wahren Vogelparadies (Naturschutzgebiet) entwickelt hat.

Von Prien aus, setzen wir über auf die Herreninsel. Bevor Sie sich auf den Weg zum Neuen Schloss machen, sollten sie sich unbedingt Zeit nehmen, für das Altes Schloss, dem ehemaligen Augustinerchorherrenstift. Die Gründung geht auf den Agilolfinger, Herzog Tassilo III. im 8. Jh. zurück. In den Jahren 1713 – 1715 entstand das Kaiserzimmer, das den Betrachter in Staunen versetzt. Die hochbarocke Wandmalerei stammt von Benedikt Albrecht. Mit einer Scheinarchitektur blickt man in Gärten, die den Raum größer erscheinen lassen. 1738 schuf der Münchner Hofbaumeister und Stuckateur Johann Babtist Zimmermann den 2−schiffigen Bibliothekssaal.
Im Konventstock tagte im August 1948 der Verfassungskonvent zur Vorbereitung des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland.
Kaisersaal, Altes Schloss
Augustinerchorherrenstift
Arbeitszimmer Ludwig II., Altes Schloss
Augustinerchorherrenstift
Schloss Herrenchiemsee, das "Neue" Schloss mit dem »Tischlein deck dich«. Im Vordergrund der Latona Brunnen.
Bereits vor dem Erwerb der Herreninsel hatte König Ludwig II. ein Schloss nach dem Vorbild von Versailles geplant. Der Architekt Georg Dollmann setzte seine Pläne (Baubeginn 1878) um und konzipierte ein noch perfekteres Versailles. Mit einer Länge von 98 Metern ist der Spiegelsaal (17 Spiegel) größer als die Spiegelgalerie in Versailles. Die 1.848 Kerzen der 44 Kandelaber und 33 Lüster brannten früher allein für den König. Die Bauarbeiten wurden am 5. Mai 1886 eingestellt. Am 13. Juni 1886 starb der König im Starnberger See. »Wenn ich nicht bauen darf, kann ich nicht leben«. Dies, so die Überlieferung waren eine seiner letzten Worte…

Nach einer kurzen Überfahrt mit einem der Chiemseeschiffe (Geduld mitbringen, im Sommer lange Menschenschlangen am Steg) geht es zur Fraueninsel. Das Wahrzeichen des Chiemgaus − ein Kleinod im See.
Die Insel war von jeher ein wirtschaftlicher Sonderfall. Der weltliche Teil hatte den Charakter eines Handwerksdorfes. Fischerei und Töpferei. Zur Landwirtschaft diente die nahe gelegene Krautinsel. Das Marienmünster ist ein spätottonischer Bau aus dem frühen 11. Jh. Die Türumrahmung mit dem Tympanonfeld stammt vermutlich aus karolingischer Zeit (9. Jh.) Eine Besonderheit, der romanische Löwenkopf als Türklopfer. Der neben der Kirche stehende Campanile ist das Wahrzeichen des Chiemgaus. In seiner 8−eckigen Form wurde er ursprünglich als Wehr− und Fluchtturm im 10./11. Jh. erbaut.
Die Torhalle der Karolinger.
Neben dem im 9. Jh. durch Ludwig dem Deutschen gegründeten Kloster, mit der prachtvollen Inselkirche und dem Campanile, steht das älteste »Hochgebäude« Bayerns, die romanische Torhalle. Die offene Halle mit dem Tonnengewölbe ist eine der ältesten Gewölbeformen und aus der griechischen und etruskischen Architektur bekannt. In der Michaelskapelle im Obergeschoss wurden Mäanderfriese und figürliche Wandbilder freigelegt. Die monochrom in roten Strichen dargestellten Engel sind auf das frühe 9. Jh. zurückzuführen.

Bevor Sie die Insel wieder verlassen, sollten sie sich ein bisserl Ruhe gönnen, einen Chiemseefisch probieren und beim Inseltöpfer vorbei schauen, neben der Fischerei von alters her eine Tradition auf Frauenwörth.
Die Deutsche Alpenstraße führt von Lindau nach Salzburg. Sie können vom Chiemsee über Bernau, Grassau, Reit im Winkl, Ruhpolding und Inzell dieser Straße nach Berchtesgaden folgen.
Einen der schönsten Ausblicke dieser Alpenroute findet man in Ramsau. Die berühmte Kirche am Wegrand (St. Sebastian, 1512) mit Blick auf den Hochkalter
Die Wahlfahrtskirche Maria Gern gehört zu den schönsten barocken Wallfahrtskirchen Süddeutschlands. Es empfiehlt sich hier oben in Maria Gern eine Wanderung zu unternehmen. Die Lage der Kirche ist äußerst markant und malerisch zwischen Untersberg und Watzmann.
Nach wenigen Kilometern erreicht man Berchtesgaden. Ein Bummel durch die Stadt gibt immer wieder bezaubernde Ausblicke auf die majestätische Bergwelt frei. Trotzdem sollten Sie ein Augenmerk auf die Fassadenmalereien an den typischen Häusern, mit dem Salzburger Baustil werfen. Sehenswert das Schloss der Wittelsbacher und die Stiftskirche. Das Historische Nonntal, ist der älteste Straßenzug der Stadt, im typischen Stil des Alpenlandes. Die Straße führt Sie zum Salzbergwerk. Eine Einfahrt in das Bergwerk lohnt sich und macht nicht nur Kindern Spaß.
Königssee, mitten im Nationalpark Berchtesgaden. Seit 1909 wird der See mit Motorschiffen (heute Elektroboote) befahren und die Touristen zur weltberühmten Kirche St. Bartholomä, dem Wahrzeichen des Königssees übergesetzt. Vielfach gemalt und fotografiert. Auf dem Weg zur Halbinsel, zu Füßen der Hachelköpfe und des kleinen Watzmanns, legen die Schiffe an der Echowand einen Stopp ein für das berühmte Trompetenecho, das mystisch über den See erschallt. TIPP! Einen herrlichen Ausblick über den Nationalpark Berchtesgaden verspricht die Auffahrt mit der Jennerbahn zur Bergstation in 1.800 Metern über dem Meer und Königssee.
Bad Reichenhall. Das Gebiet um Reichenhall war schon in der Bronzezeit besiedelt, was wohl auf die Solequellen zurückzuführen ist. Der hohe Salzgehalt der Sole lieferte täglich 190.000 l Sole. Mit der Entdeckung der Heilkraft im 19. Jh. beginnt eine sehr erfolgreiche Zeit für die Stadt.
Sehenswert ist das ehemalige Augustinerchorherrenstift St. Zeno (1136). Der älteste Teil ist ein romanischer Kreuzgang. Das Münster St. Zeno war die größte aller romanischen Basiliken Oberbayerns.
Gradierhaus − das größte Freiluftinhalatorium (1912, 720 m Länge) Deutschlands befindet sich im Reichenhaller Kurpark. Jeden Tag rieselt die 2−3%ige Alpensole über rund 100.000 Schwarzdornbüschel herab, die die Sole fein zerstäuben. Die Sole wirkt durchblutungsfördernd, das Atmen fällt leichter.
Wer nun von all den Schönheiten, immer noch nicht genug hat, der kann von hier ins nur 10 km entfernte Salzburg fahren.Diese Stadt an der Salzach ist ein großes Museum unter freiem Himmel, ein äußerst lebendiges. Die Stadt ist Musik, von Wolfgang Amadeus Mozart bis zur singenden Trapp−Familie. Salzburger Flair vermittelt eine gemütliche Fahrt mit der Pferdekutsche, Sie sollten es ausprobieren. 1997 wurde Salzburg zum Weltkulturerbe erklärt
Mit diesem Tipp für einen lohnenden Abstecher freue ich mich, wenn ich Sie von dieser Route, von dieser wunderschönen Landschaft und historischen Schätzen überzeugen konnte.

Auf in den nächsten Urlaub!
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