"Rosen statt Opium"

Unterwegs im Iran mit der Naturkosmetik−Marke "Tautropfen"

Seit 15 Jahren bezieht die Firma „Tautropfen konsequente Naturkosmetik“ Rosenwasser und Rosenöl aus dem iranischen Projekt „Rosen statt Opium“. Meine Mutter, Daniela Lindner ist Geschäftsführerin dieser Firma. Sie wollte sich endlich dieses Projekt persönlich anschauen und folgte deshalb sehr gern der Einladung des iranischen Besitzers, Herrn Homayoun Sanati.
Da man den Iran jedoch nicht mit den Ländern vergleichen kann, in die sie üblicherweise ihre Geschäftsreisen führt, gingen der Reise viele Zweifel und Vorbereitungen voraus. Für eine Frau ist es nämlich noch immer unmöglich im Iran alleine zu reisen. Als meine Mutter mich fragte, ob ich sie begleiten wollte, war mir klar, dass dies sowohl Abenteuer als auch großartiges Erlebnis zugleich bedeuten könnte.
Einerseits berüchtigt für die streng am Islam ausgerichtete Politik und die diplomatischen Auseinandersetzungen mit dem Westen, ist dieses Land andererseits durch seine Jahrtausende alte Geschichte ein äußerst interessantes Reiseland.
Vieles hat man schon gehört durch die in Deutschland lebenden weltoffenen Exil−Iraner. Aber wann bietet sich schon die Gelegenheit dieses Land kennen zu lernen und den Einheimischen vor Ort bei der Arbeit über die Schulter schauen zu dürfen?

Ich hatte zu diesem Zeitpunkt Semesterferien und war von der Idee begeistert. Also stimmte ich sofort zu, da ich mir diese Chance nicht entgehen lassen wollte. Außerdem brauchte meine Mutter doch auch auf jeden Fall einen „männlichen Beistand“.

Wir sind praktisch die Testreisenden für Tautropfen

Zweck dieser Reise war nicht nur, dass wir uns ein Bild des Landes und vor allem der Rosen und deren Verarbeitung machen wollten. Meine Mutter wollte auch prüfen, ob eine Reise mit Journalisten in den nächsten Jahren möglich oder mit zu vielen Unannehmlichkeiten und Gefahren verbunden sei.

Voller Erwartung und einem doch etwas flauen Gefühl bestiegen wir am 8. Juni 2009 in Frankfurt das Flugzeug nach Teheran.
Bei unserer Ankunft war es sehr heiß. So heiß, dass mir meine Mutter unter ihrem Schleier und knöchellangem Gewand, dass sie gleich bei der Ankunft übergestreift hatte, nur Leid tun konnte. Temperaturen um 35 °C sind dort im Sommer keine Seltenheit.
Abgeholt wurden wir von Herrn Sanatis Schwägerin und und einem Fahrer, was gleichzeitig auch dazu diente, das Bild einer sich akkurat verhaltenden und angepassten kleinen Reisegruppe abzugeben. Wir wurden dann per Auto nach Teheran gefahren, wo wir in einem Hotel die wenigen Stunden bis zu unserem Weiterflug nach Kerman verbrachten.

Müde und vom iranischen Straßenverkehr nervlich am Ende, saßen wir später in unserer „Iran Air“−Maschine nach Kerman. Vielleicht auch etwas zu verwöhnt vom gewohnten Standard, hofften wir, aus dieser schon sehr in die Jahre gekommenen Maschine möglichst schnell wieder unbeschadet herauszukommen.

Nach über zwei Flugstunden erreichten wir Kerman. Dort bezogen wir unser Hotel und freuten uns auf den nächsten Tag, wobei wir uns natürlich auch fragten, welche Ereignisse dieser mit sich bringen würde.

Obwohl wir nicht viel Zeit hatten, Teheran kennen zu lernen, fiel uns gleich auf, dass hier, nur wenige Autostunden von der afghanisch−pakistanischen Grenze entfernt, die Uhren langsamer tickten. Jetzt hatten wir das Gefühl, wirklich im Iran angekommen zu sein. War in Teheran noch ein leichter westlicher Einfluss zu erkennen, merkten wir recht schnell, dass wir uns hier im tiefsten muslimischen Teil des Landes befanden.

Der nächste Morgen begann mit der Besichtigung von Herrn Sanatis sozialen Projekten, die mit dem Erlös der Rosenproduktion finanziert werden.
Zu den beeindruckendsten Einrichtungen der „Sanati Foundation“, die sich kulturellen und sozialen Projekten widmet, gehören die Waisenhäuser für Mädchen und Jungen. Auch ein Museum für iranische Kunst, teilweise bestückt mit Arbeiten ehemaliger Waisenkinder, wurde von Herrn Sanati gegründet.

Erst Wüste, dann Rosen soweit das Auge reicht

Am folgenden Tag machten wir uns auf den Weg zu dem eigentlichen Ziel unserer Reise, nach Mehdi Abad, um dort die Destillationsanlage und die Rosenfelder in den Bergen von Lalehzar, zu besichtigen.
Von 1700 Höhenmetern fuhren wir drei Stunden lang südwestlich von Kerman auf 3000 Höhenmeter. Wir ließen zerklüftete Berge und Wüsten mit spärlichster Vegetation hinter uns. Nur vereinzelte Hütten am Straßenrand zeugten von der Anwesenheit von Menschen.
Umso größer war die Überraschung, als wir an unserem Ziel ankamen.
Es erschien uns wie ein kleines Wunder!
Soweit das Auge reichte, erblickten wir ein Tal überzogen mit Rosenbüschen und blühenden Rosen. Nachdem sich unser Auge über Stunden an die graubraunen Farben der Wüste gewöhnt hatte, erschloß sich uns nun ein unbeschreiblicher Anblick.

Der wunderschöne Duft in diesem üppigen Tal war einfach überwältigend

Wir wurden herzlich von dem Geschäftsführer der Destillationsanlage, Herrn Ali Mostafavi, empfangen und zu ihm und seiner Familie ins benachbarte Haus eingeladen. Dort wurde uns Tee und ein köstliches Mittagessen zur Stärkung angeboten.
Wir fragten ihn natürlich gleich, wie es möglich sei, dass die Rosen, umgeben von einer fast lebensfeindlichen Umgebung, hier überleben können und dazu noch so prächtig gedeihen. Seine Antwort lautete:
Durch Herrn Sanati blühen die Rosen!
Den Versuch, Damaszenerrosen in den Bergen in dieser Höhe anzubauen, unternahm Herr Sanati 1978 und beschritt damit völlig neue Wege. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde in dieser Region hauptsächlich Mohn angebaut und Opium hergestellt. Er wurde aufgrund dieser, seiner utopisch erscheinenden Idee, von den anderen Bauern belächelt.

Dennoch: Es konnten bereits erste kleinere Erfolge vorgewiesen werden, die jedoch jäh zunichte gemacht wurden. Herr Sanati war dem damaligen Regime nämlich ein Dorn im Auge und wurde für mehrere Jahre eingesperrt.
Während dieser Zeit versuchte seine Frau die Rosenfarm aufrecht zu erhalten − obwohl die Mullahs ihr das für die Rosenzucht dringend benötigte Wasser abgestellt hatten. Doch, oh Wunder: Als Herr Sanati nach 6 Jahren aus seiner Gefangenschaft zurückkehrte, hatten sich die Rosen den Gegebenheiten angepasst und gediehen prächtig. Die Anpassungsfähigkeit der Rosen in Verbindung mit der hohen Lage und dem trockenen Bergklima erwiesen sich als sehr geeignet für den Damaszenerrosenanbau.
Sogar ein biologischer Anbau war möglich, da Schädlinge und Krankheiten in dieser Höhe viel seltener vorkommen.
Die Qualität, Duftintensität und der Anteil der ätherischen Öle dieser Blüten sind einzigartig und übertrafen bzw. übertreffen heute noch bei weitem die der anderen Anbaugebiete innerhalb und außerhalb des Landes.
Heute agiert das Unternehmen erfolgreich an der Spitze einer Kooperative von mehreren hundert Bauern, die dank des erfolgreichen Rosenanbaus wirtschaftlich besser gestellt sind als ein Großteil der Bevölkerung. So konnten sie dem illegalen Mohnanbau zur Opiumgewinnung den Rücken kehren. Daher stammt auch der Projektname „Rosen statt Opium“.

Die Ernte von Millionen Rosenblüten

Die Ernte der Blüten dauert jedes Jahr nur etwa drei bis vier Wochen.
Während dieser Zeit werden die Rosen sehr früh am Morgen per Hand gepflückt.

Die Führung begann in der Destillationsanlage − einer modernen Fabrik, umgeben von Rosenfeldern. Der Duft in der Fabrik war berauschend, „wie eine Farb− und Aromatherapie, die unbezahlbar wäre“, wie meine Mutter es in Worte faßte. Wir konnten uns einfach nicht satt sehen und riechen.
Umgeben von Tausenden, wenn nicht Millionen frisch gepflückter, rosafarbener, wunderschöner und duftender Rosen genossen wir diese wunderbaren Momente.

Da wir genau richtig zur Rosenblüte und damit auch zur Rosenernte gekommen waren, konnten wir jeden Produktionsschritt miterleben und uns den Verarbeitungsprozess ausführlich erklären lassen.

Währenddessen wurden pausenlos frisch gepflückte Rosen auf LKWs angeliefert. Gleich nach dem Abladen wurden sie, quasi frisch vom Feld, in Destillationstanks verarbeitet.

Zwei Eisenbahnwagons voller Rosen ergeben nur einen Liter Rosenöl !

Im gleichen Verhältnis (400 Kilo Rosen : 400 Liter Wasser) werden Rosen und Wasser unter Vakuum erhitzt. Bei der Wasserdampfdestil−lation wird der Dampf abgekühlt und über Leitungen in ein separates Behältnis abgeleitet. Durch ein weiteres Verfahren wird das, auf dem Rosenwasser schwimmende Rosenöl abgeschöpft. Ein unkom−pliziertes Verfahren, wie es mir noch aus dem Chemieunterricht in Erinnerung war. Als Endprodukt entsteht ein konzentriertes und hochwertiges Rosenwasser und −öl.
Das Rosenöl ist eines der teuersten Öle weltweit. Der Grund dafür ist, dass zirka 6.000 Kilo Rosenblüten benötigt werden, um nur einen Liter Rosenöl zu gewinnen.
Den ganzen Tag verbrachten wir damit, die Rosenwasser− und Rosenölproduktion Schritt für Schritt zu verfolgen. Wir „badeten“ in einem Meer aus Blüten, lernten die hiesigen Menschen und die überraschende Natur kennen.
Müde, aber glücklich und dankbar für dieses Erlebnis traten wir am Abend den Rückweg nach Kerman an.
Die nächsten Tage vergingen wie im Flug. Wir blieben noch einen weiteren Tag in Kerman und verbrachten einen wunderschönen Abend mit Herrn Sanati und dessen Tochter in deren Privathaus. Dann hieß es Abschied nehmen. Mit einem gemieteten Mini−Bus fuhren wir die verbleibenden Tage durch den Iran, um ein Gespür für Land und Leute zu bekommen. Von Kerman ging es nach Yazd, von Yazd nach Isfahan und von dort zurück nach Teheran, um unseren Flieger nach Hause zu nehmen.

Fazit: Unsere Reise war ein voller Erfolg

Es hat sich wirklich gelohnt, in den Iran zu reisen: Wir sahen die wunderschönen Rosenfelder in den Bergen von Lalehzar, konnten vor Ort an der Rosenwasser− und Rosenölproduktion teilhaben und erfuhren, welche faszinierende Geschichte sich dahinter verbirgt. Darüber hinaus kam ein sehr enger Kontakt zu unseren Geschäftspartnern zustande, der das beiderseitige Vertrauen noch förderte. Ganz abgesehen davon hatten sie sich während unseren Besuchs rührend um uns gekümmert. Und eines wurde klar: Das war zwar unsere erste, aber bestimmt nicht unsere letzte Reise in den Iran.
Meine Mutter ist jetzt überzeugt, dass dieses Erlebnis unbedingt mit Journalisten wiederholt werden sollte. Denn die Reise über Land, mit den interessanten Menschen vor Ort und den lokalen sozialen Projekten, die von Tautropfen unterstützt werden, ist einfach außergewöhnlich. Auch die Herstellung des Rosenwassers und des Rosenöls ist sehenswert und verspricht eine wunderschöne Geschichte zu werden. Es war ein Abenteuer mit unbeschreiblichen Eindrücken, einer positiv veränderten Sichtweise und einem noch höheren Vertrauen in die Qualität und Hochwertigkeit unserer Produkte.
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