Der Vinschgau

Äpfel schlemmen, Burgen, Dreitausender mit firngekrönten Spitzen und der Stilfserjoch Nationalpark mit 48 steilen Kurven.

Der zweisprachige Vinschgau, im italienischen Val Venosta, präsentiert sich an dreihundert Tagen im Jahr im Sonnenschein. Das satte Grün des Tales vermischt sich im Frühlingsmonat Mai mit einem weißen Meer aus Apfelblüten. Die zahlreich blühenden Apfelfelder lassen von der Größenordnung der Apfelmengen ahnen, die von hier in alle Welt verschickt werden. Wer kennt ihn nicht, den Hinweis… täglich drei Äpfel essen und man bleibt gesund.
Die Vinschger Küche bietet neben Speckknödel, Kartoffelnocken, Berglammgerichten sowie der süßen Verführung von Marmeladen− und Mohnkrapfen, auch Apfelmenüs in den leckersten Variationen, einfach mal probieren!

Der Vinschgau, ist ein romantisches Burgenland. Das weitläufige Tal lockt mit seinen wildromantischen und himmelstürmenden Seitentälern, die entdeckt werden wollen. Die markante Stilfserjoch Passstraße führt mit 48 Kehren hinauf auf 2.757 Meter. Eine Herausforderung für alle Motorsportfans und Bergradfahrer. Atemberaubend nicht nur die engen, steilen Kurven, sondern auch das weiß glänzende Ortler Bergmassiv (mit 3.905 m der höchste Gipfel in Südtirol) gleich gegenüber. Wer sich nach 48 Kehren eine Pause gönnt, sich die Zeit für einen Rundumblick nimmt, wird überwältigt sein von der Schönheit der umliegenden Grate, Kare, Gletscherseen und Almen.
Der Blick hinunter auf die zurückliegenden steilen Kehren (12 %), die sich im Zickzackkurs in den Berg hinein graben, sie sind geschafft. Berauschend, das Naturschauspiel "König Ortler" mit den unzähligen Felsspitzen. „Diesem Berg kann man verfallen“, sagen die Extrembergsteiger Kurt Ortler und Hans Kammerlander. Allerdings erging es auch mir so, als ich vor vielen Jahren unterm Ortler auf dem Parkplatz der Kehre 1 zum ersten Mal stand. Von dem Tag an war diese Passstraße, dieses Bergmassiv „mein Traumpass“ in den Alpen. Aufgepasst, hier gibt es Wintersperre!
Kaiser Franz war es, der 1820 die Planung der Straße in Auftrag gab. Seit dem Wiener Kongress 1915 gehörte die Lombardei zu Österreich. Die Straße über das Stilfserjoch sollte die Verbindung sein. Rund 2000 Arbeiter waren im Dauereinsatz und nach 5 Jahren wurde sie eröffnet. Aufgrund der militärischen Wichtigkeit hielt man diesen Pass damals auch im Winter offen. Vom Joch aus hat man die Wahl der Weiterfahrt in Richtung Süden über Bormio in die Lombardei oder in nordwestlicher Richtung über den Umbrailpass (2.501 m) in die angrenzende Schweiz und das Klosterdorf Müstair (den Convent St. Johann unbedingt besichtigen) zurück in den Vinschgau. Sehr zu empfehlen, ein Abstecher zum Kloster Marienberg. (erstes Foto links unten)
Im Zentrum des Vinschgaus liegt das Mittelalterstädtchen Glurns, das sich rühmt, die kleinste Stadt der Alpen zu sein, mit grad mal 800 Einwohnern. Glurns ist von einer dicken Stadtmauer mit Wehrgang umschlossen. Die Zeit, so scheint es, ist in dieser mittelalterlichen Stadt stehen geblieben. Die kleinen malerischen Gässchen versetzen den Besucher um so manches Jahrhundert zurück.
Dies erst recht, wenn einem eine alte Postkutsche, so wie mir, begegnet. Szenen des Historienfilms „Andreas Hofer“ mit Tobias Moretti wurden in den Gassen der kleinen Alpenstadt mit den drei Stadttoren gedreht.
Die Churburg (Foto vom Innenhof), seit über 500 Jahren in Familienbesitz ist die besterhaltene Burg Südtirols. Sie überzeugt mit einem renaissancezeitlichen Arkadengang, einer romanischen Burgkapelle, dem Jakobszimmer mit herrlichen Intarsienarbeiten und der Rüstkammer. In dieser „eisernen Garderobe“, stehen fünfzig vollständige Rüstungen, allesamt aus dem Besitz der Geschlechter Matsch und Trapp. Im großen Tiroler Freiheitskrieg des Jahres 1809 wurden viele der hier aufbewahrten Angriffs−, Hieb− und Stichwaffen an die Bauern der Umgebung ausgegeben. Unter der Führung von Andreas Hofer zogen sie gegen die bayerisch−französischen Truppen die aus dem Norden einrückten.
Wem dies alles zu viel Vergangenheit ist, der kann in die „Waalwege“ des Vinschgaus einsteigen und beim Wandern die Natur genießen. Entlang dieser alten Wasserwege, die noch heute zur Bewässerung der Obsthaine von Nutzen sind, lässt sich der Vinschgau auch zu Fuß gut erkunden. Zur Rast lohnt es sich in einer der urigen Hofschänken
am Weg einzukehren. So manche dieser einladenden Hofschänken hängt wie ein Adlerhorst am Berghang, mit einem fantastischen Ausblick hinunter ins Tal. Die Zeit für eine typisch südtiroler Brotzeit, der „Marende“ mit Speck, Schüttelbrot und einem Glas Roten, ein Blauburgunder oder ein Lagrein, sollte man sich in jedem Fall nehmen. Zu einer deftigen Marende gehört ein kräftiger Schluck Südtiroler Schnaps − ein Treber− oder Apfelbrand. Wer es etwas milder mag, sollte die Vinschger Marille wählen. Urlaubsattraktionen bietet das Vinschgau in großer Zahl. Das Reiten auf den gutmütigen Haflinger Pferden gehört zum Standardprogramm.

Wer im Vinschgau Ferien macht, sollte keinesfalls einen Einkaufsbummel durch das nahe Kurstädtchen Meran versäumen mit einem Spaziergang entlang der Passerpromenade… auf Kaiserin Sisis Spuren.
Diesen Artikel empfehlen bei:
 
  Kommentare  
Es sind noch keine Kommentare vorhanden. Um diesen Artikel zu kommentieren und zu bewerten, melden Sich sich einfach an.
Wir übernehmen keinerlei Verantwortung für enstandene Schäden beim Befolgen des Inhalts der Themen, Anleitungen oder Tipps.
home
  Login  
 
  Top24  
IMPRESSUM NUTZUNGSBEDINGUNGEN KONTAKT